Robert Seethaler, 2023
Klappentext
Ein Café und seine Menschen. Ein Mann, der seiner Sehnsucht folgt.
Wien, 1966. Robert Simon schlägt sich als Gelegenheitsarbeiter auf dem Karmelitermarkt durch. Mit seinem bescheidenen Leben ist er zufrieden, doch zwanzig Jahre nach Kriegsende hat sich die Stadt aus ihren Ruinen erhoben. Überall sprießt Neues, und auch Simon wird von diesem Aufbruch erfasst. Er wagt den Schritt in die Selbstständigkeit, pachtet eine kleine Gastwirtschaft und eröffnet sein eigenes Café.
Das Angebot ist schlicht, und streng genommen ist es weniger ein Café als ein Treffpunkt für die Menschen aus dem Viertel. Sie kommen, bringen ihre Geschichten mit – Geschichten von Sehnsucht, Verlust und unerwartetem Glück. Manche suchen Gesellschaft, andere hoffen auf die Liebe. Während die Stadt um sie herum erwacht, verändert sich auch Simons Leben.
Das Café ohne Namen ist ein Roman über den menschlichen Drang zum Aufbruch. Mit einem Reigen unvergesslicher Figuren und seiner besonderen Aufmerksamkeit für die Details des Lebens erzählt Robert Seethaler davon, wie eine neue Welt entsteht, die wie alles Neue ihr Ende schon in sich trägt.
289 Seiten
Notizen
»Es schneit, Simon«, sagte er. »Hol mich der Teufel, aber ich glaub, ich hab in meinem Leben nichts Schöneres gesehen!«
»Ja, ich glaube, das möchte ich, René«, sagte sie, und sooft er auch später in seinem Leben an diesen Augenblick zurückdachte, hätte er doch nicht sagen können, was ihn damals mehr aus der Fassung gebracht hatte: Milas kleine, warme Hand an seiner Schulter oder die unglaubliche Tatsache, dass sie ihm nicht laut ins Gesicht gelacht hatte.
Während die Tage sich immer weiter zu dehnen und zu strecken schienen, flogen die Jahre nur so dahin und hinterließen kaum mehr als ein paar verwehte Erinnerungsspuren.
Mit dem Café hatte er sich seinen Traum verwirklicht, doch nun wurde ihm die schlichte Tatsache bewusst, dass jeder Traum verschwindet, sobald er sich erfüllt. An die Stelle seiner verschwommenen, aber immerhin weiten Aussichten waren kleine Anforderungen und Ärgernisse getreten: Kostja Vavrovskys Mietmahnungen, überhöhte Lieferantenrechnungen, geplatzte Bierschläuche, im Winter die zähen Nachmittagsstunden und im Sommer der Vogelmist, der die Terrasse mit weißen Fleckenmustern sprenkelte.
Er hatte mit den Erzählungen der Barmherzigen Schwestern nichts anfangen können, die von der Liebe sprachen, als wäre sie ein lauer Sommerregen, der unablässig auf alles und jeden niederfiel und in dem man beliebig lange herumspazieren konnte, ohne jemals nass zu werden.
Der Brief kam an einem Dienstagvormittag. Es war ein Einschreiben
Fazit
Die Geschichte eines Mannes, der am Karmelitermarkt in Wien ein Café eröffnet, seiner Mitarbeiterin, seiner Gäste, und wie das alles unsentimental zu Ende geht. Eine Kündigung, ein großes Fest noch, und dann endet das Buch am Morgen nach dem Einsturz der Reichsbrücke.