Christus kam nur bis Eboli

Carlo Levi, 1945

Klappentext

Die große literarische Dokumentation des italienischen Südens – ein Klassiker des italienischen Neorealismus.

Lukanien, ganz unten am Stiefel. Dort, wo Eisenbahn und Straße die Küste von Salerno verlassen, liegt Eboli, und dahinter beginnt der Mezzogiorno, dessen Bewohner sagen: »Wir sind keine Menschen, keine Christen, wir sind Tiere, denn Christus kam nur bis Eboli, aber nicht weiter, nicht zu uns.«

In diese gottverlassene Gegend bringen im Spätsommer 1935 zwei Carabinieri den Turiner Arzt Carlo Levi. Er ist ein confinato politico, einer, den das Regime wegen seiner antifaschistischen Aktivitäten aus der Großstadt in die Verbannung schickt. Ernste und von Malaria ausgezehrte Gesichter blicken ihm entgegen. Die Kargheit der von der Zivilisation unberührten Landschaft findet Ausdruck in der resignativen Haltung der Bauern und ihrer Schicksalsergebenheit.

Levi gewinnt jedoch die Zuneigung dieser Menschen, als er den anscheinend sinnlosen Kampf gegen die Malaria aufnimmt. In den zwei Jahren seines Zusammenlebens mit ihnen betreut der Arzt Levi die Kranken, der Schriftsteller und Maler in ihm porträtiert Jahre später die Landschaft und ihre Menschen: Eindringlich erfaßt Carlo Levi das archaische Leben im Mezzogiorno, den Alltag dieser Bauern, ihre Kümmernisse und Krankheiten, aber auch ihre Feste, ihre geheimen Hoffnungen und Wünsche. Doch nach seiner Abreise sinken die Menschen in ihr dumpfes Dasein zurück. »Es regnet auf den, der schon naß ist«, sagt man in dieser Gegend.

348 Seiten

Notizen

Die Spielarten des Hasses und die Kriege der feinen Herrschaften sind hier die einzigen Ereignisse des täglichen Lebens

Der Kampf der feinen Leute untereinander hat nichts mit einer Vendetta zu tun, die von den Vätern an die Söhne weitergegeben wird. Es geht dabei auch nicht um einen wirklichen politischen Kampf zwischen Konservativen und Progressiven, und wenn es so aussieht, dann ist das eher dem Zufall geschuldet. Selbstverständlich bezichtigt jede der Parteien die andere der schlimmsten Verbrechen

Tatsächlich spielt sich dieser fortgesetzte Krieg der feinen Leute in allen Dörfern Lukaniens in gleicher Form ab. Das Kleinbürgertum verfügt nicht über die nötigen Mittel, um in gebührendem Glanz das Leben feiner Herrschaften zu führen. Alle jungen Leute, die etwas auf sich halten, und all jene, die gerade so in der Lage sind, ihren eigenen Weg zu gehen, verlassen ihre Dörfer.

Dort bleiben nur die Taugenichtse übrig, all jene, die nichts auf die Reihe bekommen, die Versehrten, die Tagediebe und Müßiggänger: Langeweile und Habgier machen sie niederträchtig. Um zu überleben (die kleinen Landgüter werfen so gut wie nichts ab), muss diese degenerierte Klasse die Bauern beherrschen und sich im Ort die gut bezahlten Stellen des Lehrers, Apothekers, Pfarrers, Carabinieri-Wachtmeisters und so weiter sichern.

Die feinen Herrschaften waren alle Mitglieder der Partei

In meinem Haus würden also nur Frauen arbeiten können, die von dieser allgemeinen Regel irgendwie ausgenommen waren, Frauen, die etliche Kinder von unbekannten Vätern hatten, die, ohne als Prostituierte bezeichnet zu werden (denn diesen Beruf gab es im Dorf nicht), dennoch eine gewisse Lässigkeit gegenüber den Sitten an den Tag legten und sich neben den Dingen der Liebe auch den magischen Praktiken widmeten, um Letztere herbeizuführen, kurz: Hexen.

Fazit

Das System der Verbannung im faschistischen Italien, die Malaria, die Armut der Bauern und ihre Ausbeutung durch eine bedeutungslose Mittelschicht, die ihre bescheidene Herrschaft durch die Partei gesichert sieht. Ein seltsam passiver Revolutionär, der sich ohne viel Widerstand in sein Schicksal fügt.