Ewig Sommer

Franziska Gänsler, 2022

Klappentext

Eine junge Mutter kommt mit ihrer Tochter in ein Hotel, in dem schon lange keine Gäste mehr abgestiegen sind. Seitdem die Brände im benachbarten Wald toben, hat der einstige Kurort seinen Reiz verloren. Für Iris, die Besitzerin des Hotels, ist der unerwartete Besuch gleichzeitig willkommene Abwechslung und Grund zur Sorge: Irgendetwas scheint mit der Fremden nicht zu stimmen. Ist sie auf der Flucht vor ihrem Mann? Sollte sie der Frau, die sich nicht immer angemessen um ihre Tochter zu kümmern scheint, helfen? Oder müsste sie das Kind vor ihr schützen? Mit der Zeit kommen sich die beiden Frauen näher und fangen an, die Schatten ihrer Vergangenheit auszuleuchten. Iris ahnt, dass dieser Besuch früher oder später ein jähes Ende finden wird – unklar ist nur, aus welcher Richtung wirklich die Gefahr droht.

148 Seiten

Notizen

Die Frau und das Kind kamen an einem Dienstag. Seit Wochen waren da bereits keine Gäste mehr bei mir abgestiegen. Wegen der andauernden Gefahrenlage waren die Messen abgesagt oder verlegt worden, und andere Gründe, in unsere Gegend zu kommen, gab es anscheinend nicht mehr. Obwohl bereits Oktober war, hatte die Hitze der vergangenen Tage die Brände noch einmal angefacht. Im Garten konnte man die Hubschrauber hören, die über dem Wald kreisten, außerdem alle zwei Stunden die Durchsagen der Polizei, die die Orte in der Umgebung abfuhr: Bleiben Sie zu Hause, tragen Sie eine Schutzmaske, halten Sie Fenster und Türen geschlossen. Bleiben Sie zu Hause, tragen Sie eine Schutzmaske, halten Sie Fenster und Türen geschlossen. Bleiben Sie zu Hause. Sie wurden lauter und leiser, kamen und gingen.

Meine eigene Auseinandersetzung mit dem Brand erschöpfte sich im Beseitigen der Flugasche, im Instandhalten meiner kleinen Welt.

Ich selbst glaubte weder an das Kleingerede noch an die Verschwörungstheorien. Ich wusste, es stimmte, was die Geoökologen, die Meteorologen, die Klimaaktivisten sagten, aber das änderte nichts. Ich sah keinen Weg, wie ich die Situation hätte beeinflussen können. Wie eine Spielfigur behielt ich die Entwicklungen im Auge, pflegte Zug für Zug das kleine Feld, das mein Leben hier war. Ich spielte nach den Regeln, ich folgte den Anweisungen, und für den Moment konnten wir bleiben, wo wir waren.

Fazit

Der Debütroman von Franziska Gänsler ist Klimathriller, psychologisches Drama und zarte Geschichte einer unmöglichen Liebe. In der Beziehung zwischen Dori und ihrer Tochter scpiegelt sich Iris’ eigene Beziehung zu ihrer verstorbenen Mutter.