Die Straße

Seethaler Robert, 2026

Klappentext

Ein Jahr, eine Straße, ihre Menschen: Robert Seethalers neuer Roman

Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in ihr alles, was Menschen passieren kann.

Ein Junge wird vom Jagdfieber gepackt. Ein anderer weiß nicht, wohin mit seiner Wut. Eine Blumenhändlerin lebt für einen Mann, der sie nicht einmal sieht. Eine Heimleiterin wacht über ihre Schützlinge und ist selbst die Einsamste von allen. Ein Geistlicher kommt seiner Gemeinde abhanden. Sorge rüttelt an den Bewohnern, Sehnsucht treibt sie nachts auf die Straße, die Liebe bringt sie um den Verstand. Sie haben Träume und Geheimnisse. Ihre Wege kreuzen sich täglich, doch was wissen sie voneinander?

In seinem neuen Roman verknüpft Robert Seethaler ihre Geschichten zu einem Mosaik der Augenblicke – und damit des Lebens selbst.

»Der Gott des Gefühls kleiner Leute: Robert Seethaler hat das Talent, Charaktere und Landschaften ganz ohne Geschwätz und Schwerfälligkeit zu erzeugen in der für ihn so typisch entschlackten und schnörkellosen Sprache.« FAZ

241 Seiten

Notizen

Iss jetzt. Es ist spät, die anderen wollen ihre Ruhe. – Ich will nicht. – Mach den Mund auf. – Gestern hat mir jemand ins Gesicht geschlagen. – Wer? – Schwester Julia. – Die ist seit drei Tagen zu Hause und kümmert sich um ihren kranken Mann. – Alle sind immer nur krank. – Mach jetzt den Mund auf und iss. – Wer sind Sie?

Ich mache mir nichts daraus, hier bei uns wird das Leben in Tagen und nicht mehr in Jahren gemessen. Der erste Tag im neuen Jahr war sonnig und ruhig. Erst gegen Mittag habe ich erfahren, dass Lennard Gronvald in der Nacht gestorben war. Vielleicht war das Letzte, was er in seinem Leben gesehen hatte, das sprühende Licht der Raketen draußen über den Dächern.

Mir waren Blumensträuße immer verdächtig. Wenn so ein Sträußchen im Spiel ist, ist die Liebe entweder noch nicht da oder schon wieder am Verschwinden. Mir ist es lieber, wenn der Mann duftet, nicht die Blumen.

Fazit

Notizen, Gesprächsfetzen, die Ereignisse eines Jahres, Leben, Sterben, Spekulation, ein Altersheim, die jämmerliche Skulptur des unbekannten Heiligen Jolander. Wieder das Gasthaus “Goldener Mond”, wie in “Das Feld”.

Nicht immer ist klar, wer spricht, aber eigentlich ist es egal. So etwas wie der Bewusstseinsstrom einer Straße. Das bisher schwierigste und am wenigsten haften bleibende Buch Seethalers. Trotzdem empfehlenswert.